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Früher schien es unvorstellbar, dass Bitcoin irgendwann einmal nicht mehr die dominierende Kryptowährung sein würde. Andere Projekte wurden eher als Ergänzungen angesehen, die bestenfalls absorbiert werden würden. Doch nachdem sich die Bitcoin-Blöcke zu füllen begannen, drängten immer mehr Projekte darauf, ihre Eigenständigkeit zu betonen. Viele Nutzer hofften darauf, dass ihre Kryptowährung die eine sein könnte, die alle regieren würde. Doch der Markt entwickelte sich nicht in diese Richtung und immer weitere Projekte drangen nach vor, wodurch es immer schwieriger wurde, in die Top 5, 10, 20 oder sogar 100 zu gelangen.

Doch wie wichtig ist diese Positionierung wirklich? Wie viele Nutzer werden ihr Projekt verlassen, wenn es an Wert verliert und immer weitere Plätze in der Rangliste verliert?

Kryptowährungen sollten nicht zu Anlageinstrumenten werden

Das mag vielleicht ein wenig verstaubt klingen, doch im Anfang dachten die Menschen nicht, dass sie durch Kryptowährungen reich werden würden. Die frühen Kryptonutzer strebten vor allem zu Bitcoin, da sie die finanzielle Freiheit liebten, Geld sparen und sich als innovative Unternehmer versuchen wollten. Nur die wenigsten Menschen wollten Kryptowährungen kaufen, um diese dann so lange zu halten, bis sie durch den Wertezuwachs reich geworden waren. Für sie bedeutete Erfolg das alte System zu Fall zu bringen.

Die Begeisterung für die Technologie hat viele Nutzer die unglaubhaftesten Preise ernst nehmen lassen

Wenn genügend Menschen daran glauben, dass Kryptowährungen das alte System zu Fall bringen werden, dann erscheint es auch verständlich, dass die Preise steigen werden. Von 2013 bis 2017 hatten viele Menschen so hohe Gewinne gemacht, dass sie, obwohl sie ernsthaft an den Erfolg ihres Projektes glaubten, doch faul geworden waren. Ein hohes Preisniveau wird nun erwartet und als die Norm vorausgesetzt. Auch die Zahl der Aktivisten ist zurückgegangen und mehr Menschen wollen Geld verdienen, statt sich auf freiwilliger Basis „für die Sache“ aufzuopfern.

Der Preis eignet sich nur schlecht als Indikator für den Erfolg eines Projektes

Wir alle lieben Zahlen. Mathematik und Fakten helfen uns dabei, ein Gefühl für das zu entwickeln, was aus unendlich vielen verschiedenen Einzelfaktoren besteht. Solange Einheiten von irgendetwas an einer Börse gehandelt werden, kann man auf den ersten Blick annehmen, dass ein Preisanstieg Folge eines Erfolges ist und ein Preisabfall mit einem Misserfolg zusammenhängen müssen. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit, denn neben technischem Erfolg und Misserfolg, tatsächlichem Nutzen, Transaktionsvolumen, usw. gibt es noch viele weitere Elemente, die ihren Teil zur Preisentwicklung beitragen.

Was waren die ursprünglichen Ziele von Kryptowährungen? Sie wollen ein freies und zensurresistentes Mittel zur Übertragung von Werten sein. Hierbei ist durchaus eine Situation denkbar, in der dieses Ziel erreicht wird, ohne, dass dies den Preis beeinflusst. Um als gesundes Geld zu fungieren, reicht es an sich aus, dass sie die Inflation kompensieren, welcher sich Fiatwährungen ausgesetzt sehen. Und auf der anderen Seite ist eben auch ein Preis möglich, der viel zu hoch dafür ist, dass die Technologie ihre Versprechen noch nicht eingehalten hat.

Wie niedrig darf der Preis fallen damit du aufgibst?

Wie lange bleibst du einem Projekt treu, bevor du aufgibst? Wie weit kann eine Kryptowährung fallen, bis du sie aufgibst? Wie viele Projekte können dein Projekt überflügeln? Wie oft kann es für tot erklärt und begraben werden, weil sein Preis gefallen ist? Gefallen im Vergleich zu anderen Projekten, die ebenso wenig Massenakzeptanz erreicht haben?

Würdest du dein Projekt auch dann verlassen, wenn du weißt, wie viele echte Menschen dahinterstehen und wie viel mehr dies sind, als bei anderen Projekten, die zwar wertvoller, aber nicht so innovativ sind?