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Wer auch nur ein paar Minuten in der Welt der Kryptowährungen verbringt, wird unweigerlich den Begriff „Scamcoin“ hören (oder die härter klingende Variante „Shitcoin“). Sobald ein neuer Coin angekündigt wird, tauchen auch schon die ersten Reddit-Krieger oder Foren-Kreuzritter auf, um diesen Coin als Scamcoin zu beschimpfen. Danach lehnen sie sich zurück und sind befriedigt, da sie für Internetgerechtigkeit gesorgt haben. Sogar bei manchen alten Coins, die bereits bewiesen haben, dass sie ernst zu nehmen sind (*hust* Dash *hust*), findet man jene Horden, die jedem, der bereit ist zuzuhören – und sei es auch nur die eigene Mutter – erzählen, dass dieser oder jener „Scamcoin“ zu vermeiden sei. Man könnte dies als Initiationsritus der Kryptowelt bezeichnen.

Doch wie genau definiert man einen Scamcoin? Im Grunde ist ein Scamcoin eine Währung, die jene reich macht, die sie kreieren und betreiben, und jene ärmer macht, die den Coin halten. Nehmen wir z.B. an ich würde einen neuen Coin namens „Scamcoin“ erschaffen. Zuerst würde ich mir selber eine Millionen Scamcoin zur Seite schaffen, bevor ich den Coin der Öffentlichkeit präsentieren würde. Ich würde seinen Wert durch kreatives Marketing und falsche Versprechungen steigern, bis jeder Scamcoin $1 wert wäre. Dann würde ich alles verkaufen, $1 Millionen reicher sein und alle Verbindungen zu Scamcoin kappen. Ich, der Entwickler, wäre reicher, doch die armen Verlierer, die den Coin verwenden wollten, würden mit einer wertlosen Anlage zurückbleiben.

Der Vorwurf, dass ein Coin ein Scamcoin ist, hat sicherlich eine gewisse Berechtigung; trotz allem Positiven gibt es wirklich einige Scamcoins in der Welt der Kryptowährungen. Doch die meisten Vorwürfe und Beschuldigungen sind lediglich Wutgeschrei und Einfältigkeit, da ihre Verursacher dem falschen Glauben anhängen, dass nur eine Kryptowährung überleben kann. Der Ein-Coin-Kreuzritter versucht daher alles in seiner Macht stehende zu tun, um alle anderen Coins zu dämonisieren und daher bezeichnet er sie als Scamcoins. Unglücklicherweise ignorieren diese Beschuldigungen den einen großen Fed-gestützten Elefanten im Raum, denn der einzig wahre Scamcoin ist der US-Dollar (so wie alle anderen staatlichen Währungen, wobei wir uns in diesem Artikel auf den Dollar konzentrieren).

Der Dollar: Sparer werden seit über 100 Jahren betrogen

Den größten Teil der Geschichte war der Dollar entweder durch Silber oder durch Gold gedeckt (und zeitweise auch durch beides). Beim Eintritt in das 20. Jahrhunderts deckte die US-Regierung den Dollar noch durch Gold – was bedeutete, dass eine Dollar Note eine bestimmte Menge an Gold repräsentierte. Doch im Verlauf des 20. Jahrhunderts schwächte die Regierung die Verbindung zwischen Dollar und Gold, bis sie diese im Jahr 1971 endgültig trennte. Seit dieser Zeit ist der Dollar nur noch eine „Federal Reserve Note“ und seine Menge wird durch die Federal Reserve Bank kontrolliert.

Der erste Teil der Definition eines Scamscoin war, dass „er jene reicher macht, die ihn kreieren und betreiben.“ Dies trifft auf den Dollar sicherlich zu. Die US-Regierung kann durch die Fed aus dem Nichts heraus neue Dollar schaffen, wann immer sie dieser bedarf. Jemand möchte einen unpopulären Krieg finanzieren? Stellt die Druckmaschinen an! Teure soziale Programme sollen unterstützt werden? Wir brauchen mehr grüne Tinte! Braucht ein politisch-vernetztes Unternehmen einen Bail-Out? Erschaffen wir ein neues Wort – „quantitative easing“ – um unseren ständestaatlichen Kapitalismus schön zu reden.

Der Dollar, wie jedes Fiatgeld – also Geld, dass durch einen willkürlichen Befehl geschaffen werden kann – ist per Definition eine Währung, die ihre Erschaffer reicher macht, da sie neues Geld schaffen können, wann immer sie wollen. Seien wir einmal ehrlich: wenn Du Geld drucken könntest, dass vom Markt anerkannt wird, würdest Du es nicht auch tun?

Doch was ist mit dem zweiten Teil der Scamcoin Definition: „Jene ärmer machen, die den Coin halten“? Werden jene, die Dollar ansparen ärmer? Auf jeden Fall. Sagen wir jemand hätte 1971 etwa $100 verdient, diese unter die Matratze gesteckt und bis zum Jahr 2016 gewartet. Würde man nun versuchen das Geld auszugeben würde man nur so viel erhalten, wie man 1971 für $16.87 bekommen hätte. In anderen Worten: Der reale Wert des Geldes sank um 83%. Kryptowährungsinvestoren nennen sich selbst „Hodler“, wenn sie ihre Coins über längere Zeit halten. Wer jedoch seine Dollar über längere Zeit spart, der wird anders genannt, und zwar „arm“.

Wenn nun jemand denkt, hierbei handele es sich nur um Theorie, dem sei versichert, dass es hierbei um Konsequenzen in der realen Welt geht. Gerade ältere Menschen werden durch den Wertverfall des Dollars betrogen. Eine verantwortungsvolle Person, die ihr Geld über Jahrzehnte auf der Bank anspart und dabei auf einen entspannten Ruhestand hofft, wird sich selbst in einer ernsten Notlage wiederfinden, da der Wert ihrer Ersparnisse – wenn wir von ihrer Kaufkraft ausgehen – auf dramatische Weise geschrumpft ist. (Und dies macht die Person natürlich abhängiger von staatlichen Programmen, die Regierungsvertreter dazu anregen die Druckerpresse noch weiter anzutreiben, wodurch sich das Teufelsrad weiter dreht.)

Kenne deinen Feind

Die Welt der Kryptowährungen ist von Grabenkämpfen durchzogen und ähnelt einem kreisförmigen Erschießungskommando. Dabei ist der wirkliche Wettbewerb nicht Kryptowährung vs. Kryptowährung, sondern Kryptowährungen vs. staatliche Währungen wie dem Dollar. Kryptowährungen verfügen über einige eingebaute Vorteile: sie haben eine festgesetzte Geldmenge, sie sind dezentralisiert und sie sind global verwendbar, da sie nicht an eine bestimmte Regierung angeschlossen sind. Diese Charaktereigenschaften werden ihnen langfristig zugutekommen.

Doch wir dürfen uns nicht vertun: dies ist ein Kampf David gegen Goliath, in dem die Kryptowährungen die Rolle des jungen Israeliten einnehmen. Die meisten Menschen kennen lediglich staatliche Währungen und sie kennen gar kein anderes Konzept von „Geld“. Sie werden betrogen, doch sie wissen es nicht besser. Zudem wurde über Jahrzehnte eine große Menge Geld dazu verwendet den Dollar so einfach wie möglich zu gestalten. Niemand muss seiner Großmutter zeigen, wie sie ihre Dollar im Geschäft verwenden kann.

Wenn eine Kryptowährung Erfolg haben will, dann muss sie den Dollar überholen. Sie muss sich auf die wahre Konkurrenz konzentrieren und darf sich nicht von anderen Kryptowährungen beirren lassen. Wenn David seine Zeit darauf verwendet hätte mit den anderen Israeliten zu diskutieren, dann hätte er niemals den Stein aufgehoben, mit dem er den Giganten gefällt hat. Grabenkämpfe sind im besten Fall verschwendete Zeit und im schlimmsten Fall eine Kapitulationserklärung an den Dollar. Kryptowährungen müssen die Vorteile überwinden, die sich der Dollar, gerade im Bereich der Nutzerfreundlichkeit, über Jahrzehnte gesichert hat. Wenn ihnen dies gelingt, dann können sie auf diese Grabenkämpfe zurückblicken und lachen, während sie auf dem Grab des wahren Scamcoin tanzen.