This post is also available in: enEnglish

Bei den hier beschriebenen Ereignissen handelt es sich um einen typischen Fall falsch gesetzter Erwartungen. Manche Besitzer von Einheiten der Kryptowährung XRP sind unzufrieden mit der Praxis des Unternehmens Ripple und deren Auswirkung auf den Preis. Diese Situation ist, wie so viele andere auch, eine gute Gelegenheit um über die falschen Erwartungen mancher Investoren und die nur vage Verbindung zwischen Unternehmen und Token zu sprechen.

Lose Verknüpfungen, die nach Erfolg klingen, reichen aus, um naive Investoren zu locken

Dieses Problem entsteht, wenn Investoren die Token eines Projektes kaufen, das sehr vielversprechend ist. Die Logik dieser Situation ist überzeugend: Projekt X ist innovativ und die Investition wird an Wert gewinnen, wenn das Projekt Erfolg hat. Wenn jedoch nicht klar ist, in was investiert wird, so führt diese Idee zu Fehlentscheidungen. Investoren denken, dass XRP Token einen Anteil am Erfolg des Unternehmens Ripple mit sich bringen. Andere Investoren gehen auf die gleiche Art und Weise an ICOs, bei denen es darum geht, neuen Unternehmen Startkapital zu liefern. Wenn jedoch kein direkter Zusammenhang zwischen dem Token und dem Projekt definiert wird, so schenken die Investoren dem Projekt lediglich Geld.

Sind alle Projekte, die Token verwenden, Betrügereien? Nein, nicht unbedingt. Nur jene Investoren wurden betrogen, die Token eines Projektes gekauft haben, das falsche Erwartungen schürt. Dabei macht es allerdings einen großen Unterschied, inwieweit diese falschen Erwartungen von dem Projekt selber, einem Dritten oder der eigenen Naivität ausgehen.

In eine Anlage ohne Eigenkapital zu investieren ist gefährlich

Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass viele Investoren hierdurch viel Geld verloren haben. Viele ICOs sind gescheitert und andere sind einfach mit dem Geld abgehauen. Andere haben einfach ein zweites ICO gestartet, wobei Neueinsteiger gegenüber den ersten Investoren bevorzugt wurden. Die Token waren nur das, was der Name sagt: Token, also Gegenstände mit Sammlerwert. Bei XRP ist die Situation wesentlich komplizierter, da der Token sich nachträglich vom Unternehmen lösen musste und für einen separaten Use Case verwendet wird, während das Unternehmen selbst weiterhin die Mehrheit der Coins besitzt. Wird das Unternehmen alle Coins verkaufen und dann vielleicht einen anderen Token herausgeben, wodurch die Investoren auf ihren Investitionen sitzen bleiben? Werden sie die Zahl der Coins erhöhen? Werden sie Investoren eine echte Beteiligung am Unternehmen geben? So oder so, die Besitzer der Coins haben momentan nichts Konkretes, auf das sie sich verlassen können, wenn es um die Frage geht, was der Token symbolisiert.

Das Modell der DAO als Gegenbild

Es gibt möglicherweise einen besseren Weg, Investoren und Projekte zusammenzubringen: die DAO. In einer dezentralen autonomen Organisation halten die Investoren das Stimmrecht auf eine anonyme Art und Weise, falls es sich wirklich um ein dezentrales Projekt handelt. Hinter dem Token, auf den die Investoren vertrauen, steht kein Unternehmen: Der Token selbst ist das Projekt. Falsche Erwartungen können nur von den Teilnehmern des Projektes selbst erzeugt werden. Eine Kryptowährung, die auf einer echten DAO basiert, passt sich zu jeder Zeit den Wünschen der Investoren an.

Eine DAO kann manchen Investoren, die aus dem traditionellen Finanzsystem kommen, als zu locker erscheinen. Aus diesem Grund ist es gut, wenn sie um Strukturen erweitert wird, wie Dash dies durch die Dash Investment Foundation, ein Investment-Vehikel für die Interessen des Netzwerks, gemacht hat. In der momentanen Situation kann die Struktur nicht direkt Gewinne an die Investoren zurückgeben, da diese anonym sind, sie kann allerdings in neue und profitable Anwendungsfälle investieren, die zum Wohle des ganzen Netzwerks fungieren.