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Vor kurzem wurden dem BBC Mitarbeiter Monty Mumford $30.000 in Ethereum gestohlen. Das besondere an seinem Denkprozess: Er folgte vielen Ratschlägen, die unter Kryptonutzern üblich sind. Auch seine Entscheidung für Ethereum und für die Börse, bei der er diese kaufte, baute auf den Ratschlägen von erfahrenen Kryptonutzern auf. Weiterhin nahm er die Kryptowährungen von der Börse herunter, um selbst die Kontrolle zu übernehmen. Dabei entschied er sich, sein Guthaben in der MyEtherWallet zu lagern, wobei er die Private Keys auf ein Blatt Papier ausdruckte… und im Ordner Entwürfe seines Google Mail Kontos speicherte. Der letzte Schritt löst bei erfahrenen Nutzern Entsetzen aus, doch einem Neuling kam der Gedanke nicht, warum dies ein Fehler sein könnte. Diese Denkweise versinnbildlicht eines der Probleme, unter denen der Krypto-Sektor leidet.

Kein Neuling kann alles auf einmal lernen

Seien wir einmal ehrlich: Kryptowährungen sicher zu verwenden ist schwierig. Wer die ersten Schritte macht, versteht häufig nicht, wie wichtig Backups sind und wie sie funktionieren. Viele Menschen machen Screenshots der Wiederherstellungsphrasen, verlieren die Zettel, auf denen die Wörter stehen oder vergessen überhaupt eine Sicherung durchzuführen. Die meisten von uns haben so angefangen. Die Eigenschaft, alle Sicherheitsvorkehrungen zu verstehen, kommt nur den wenigsten und erfahrensten Nutzern zu. Kryptowährungen sind zu kompliziert, um sie ohne Einführung richtig zu verwenden.

Eigenverantwortung bedeutet Freiheit, doch sie zu erleben verdeutlicht, warum wir diese Freiheit häufig aufgeben

Eine der zentralen Ideen von Kryptowährungen ist es, seine eigene Bank zu sein und die volle Kontrolle über das eigene Geld zu haben, da große Institutionen häufig verantwortungslos damit umgehen. Durch diese neue Technologie übernimmt der Einzelne die Kontrolle über sein Geld und die Verantwortung für dessen Sicherheit. Wenn das Geld jemandem gestohlen wird, so ist diese Person ihrer Verantwortung für ihr eigenes Geld nicht gerecht geworden und Transaktionen können nicht rückgängig gemacht werden, weswegen das Geld als verloren gelten kann. Volle Freiheit bedeutet also auch volle Verantwortung.

Die Schockoffenbarung, die sich leider für viele ergibt, die versuchen, sich an die Prinzipien zu halten: sie wären besser dran, wenn sie einem Dritten vertrauen würden. Nur die wenigsten Menschen haben die Zeit, sich vollständig mit der Technologie zu beschäftigen und die Gelder an einem sicheren Ort mit sicheren Backups aufzubewahren, um sicherzugehen, dass ihnen ihr Erspartes erhalten bleibt. Der Rest ist nicht erfahren genug, um bei jedem Schritt alle erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und daher auch nicht in der Lage, der Hüter des eigenen Geldes zu sein. Dies ist auch der Grund, warum Banken überhaupt entstanden sind: Damit sich der einzelne keine Sorgen machen muss, dass er ausgeraubt werden könnte. Die Zentralisierung und das Vertrauen, das er den Institutionen entgegenbringen musste, sah er dabei als akzeptablen Kompromiss an. Geändert hat sich diese Sicht erst, nachdem das Vertrauen so stark missbraucht wurde, dass die Menschen über Alternativen nachdenken mussten.

Nur wenige werden Kryptowährungen verwenden, solange sie nicht benutzerfreundlich sind

Es gibt keine zwei Möglichkeiten, wie es von hier aus weiter geht. Der momentane Zustand kann nicht von Dauer sein, da Benutzer mit verheerenden Konsequenzen zu rechnen haben, wenn sie sich falsch verhalten. Nach vorne geht es nur, wenn sich die Technologie weiterentwickelt und die komplexen kryptografischen Adressen in den Hintergrund verschiebt. An der Technologie an sich muss sich kaum etwas verändern, doch die Art und Weise und das Interface, mit welchem die Menschen interagieren, müssen benutzerfreundlicher werden.

Je einfacher und sicherer es für den Menschen ist, seine eigene Bank zu sein, desto weniger muss er Drittanbietern vertrauen und kann stattdessen die finanzielle Revolution lostreten.