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Vor einiger Zeit verbreitete sich eine interne Nachricht aus dem Litecoin-Entwicklerchat, welche darauf hindeutet, dass viele große geplante Projekte in diesem Jahr keine Fortschritte gemacht haben. Charlie Lee, der Gründer von Litecoin, bestätigte die Validität der Informationen privat und öffentlich. Hierdurch bietet sich eines der transparentesten Bilder im Kryptowährungsraum, von dem wir viel lernen können.

Viele Menschen gehen nachlässig bei der Auswahl eines Investitionsobjektes vor

Für viele Krypto-Investoren verläuft der Forschungsprozess, der ihrer Investition vorangeht, häufig so ab: Sie überprüfen den Preis eines Coins, lesen ein zweiseitiges Intro zum Projekt, überprüfen die Meinungen einiger Influencer oder zufälliger Personen auf Reddit und kaufen dann. Informationen bekommen sie aus offiziellen Quellen oder aus den großen Kryptomedien, aber wirkliche Ahnung, was sie da gekauft haben, haben viele Menschen nicht. Wie innovativ ist das Projekt? Wie viele Nutzer hat es? Ist es zukunftsfähig? Die Antwort auf viele dieser Fragen ist weitgehend ungeklärt.

Die Tatsache, dass es nicht gut um die Entwicklung von Litecoin steht, haben wahrscheinlich 90% der Leute, die sich mit der Thematik befasst haben, erwartet. Trotz der fehlenden Innovation investieren weiterhin Nutzer in dieses Projekt, wodurch deutlich wird, dass sie ihre Prioritäten anders gesetzt haben. Wer sich in der Szene umsieht, wird noch weitere ähnliche Fälle finden.

Die fortwährende Dominanz des Kultes um Persönlichkeiten

Offensichtlich ist hierbei, wie sich ein vermeintlich dezentrales System um eine einzige Person herum dreht. Charlie Lee hat Litecoin geschaffen, sich dann aber lange Jahre nicht darum gekümmert, wobei es beinahe sogar aus den Top10 gefallen ist. 2017 arbeitete Lee bei Coinbase und das Unternehmen entschied sich für eine Integration von Litecoin, wodurch die Community neu belebt wurde. Sollte Lee ein weiteres Mal das Interesse verlieren, wird das Projekt wohl verschwinden.

Dies ist kein Einzelfall. Viele Projekte in der Welt der Kryptowährungen drehen sich um eine oder eine Handvoll Personen. Dies erscheint seltsam zu sein in einer Branche, in der Dezentralisierung und Privatsphäre als so wichtig gelten. Der Charlie Lee Effekt ist auch heute weiterhin sehr stark verbreitet.

Kann die „Krypto-Revolution“ von Menschen geführt werden, die am Steuer schlafen?

Wir befinden uns an einem erstaunlichen Ort in der Zeit, an dem wir das Ende eines Finanzsystem einläuten werden, das über einhundert Jahre Bestand hatte, ohne, dass jemand diese Revolution führt. Ein Erfolg würde die Welt dauerhaft zum Besseren verändern. Wer jedoch etwas tiefer schaut, wird feststellen, dass sich verschiedene Top-Projekte, Unternehmen und Influencer nicht mehr wirklich bemühen. Es findet häufig nur noch eine Alibi-Entwicklung statt oder es werden unbrauchbare Technologie auf der Suche nach einem Problem, für das sie die Lösung sind, entwickelt. Natürlich darf man auch Inkompetenz und Faulheit nicht vergessen. Litecoin ist hierbei kein Einzelfall.

Niemand interessiert sich wirklich für das, was geschieht, solange er nicht Geld dabei verliert

Nur wenige Fans und Investoren haben negativ auf diese Nachrichten reagiert. Die Entwicklung des Preises lässt vermuten, dass nur wenige sich überhaupt dafür interessieren. Viele Nutzer unterstützen ein Projekt nur, weil sie dadurch Gewinne erzielen wollen, wobei die fundamentale Grundlage für diese Gewinne kaum eine Rolle spielt. Diese Nutzer werden sich erst innovativen Projekten zuwenden, wenn echte Nutzung dazu führen wird, dass der Preis steigt, während nutzlose Projekte verschwinden werden. Genau dann werden die Leute, die vorher gesagt haben, dass Entwicklung keine Rolle spielt, anfangen Betrug zu schreien, über jene, die sie jetzt noch täuschen.