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Ich empfehle hier etwas, das für gewöhnlich keine Empfehlung wert ist: Krypto-Twitter.

Unter normalen Umständen würde ich davon abraten, dass sich jemand den lautesten Schreihälsen des Kryptosektors zuwendet, doch diese Entwicklung ist interessant: Bitcoin Maximalisten gelten als frech und unhöflich, doch in den letzten Monaten haben sie ein Maß an Radikalisierung und Aggression erreicht, das bisher nicht zu beobachten war. In diesem Artikel möchte ich schildern, warum dies von Bedeutung ist.

Marktbewegungen scheinen ihnen recht zu geben

Im Vergleich zu anderen Kryptowährungen hat Bitcoin sich in den letzten Monaten recht gut auf dem Markt behauptet. Zwei Drittel des gesamtes Wertes aller Kryptowährungen konzentriert sich auf Bitcoin, wobei dieser Wert in den letzten sechs Monaten stark gewachsen ist. Dies kann den Anschein erwecken, dass Bitcoin dominiert und alle anderen Projekte scheitern werden.

Zoomen wir etwas heraus so stellen wir fest, dass die Bitcoin-Dominanz bis Ende 2017 meist in den 90ern und hohen 80ern stand. Innerhalb kurzer Zeit fiel sie in die 30er, da auch manchen Konkurrenten stärkere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Ethereum war sogar kurz davor Bitcoin von der Marktkapitalisierung her zu übersteigen und nur noch 1 Prozent fehlte. Wer langfristig denkt, wird daher sehen, dass wir es eher mit einer Trendkorrektur als mit einem vollständigen Niedergang zu tun haben. Diese Statistiken spielen in den Köpfen der Menschen allerdings eine sehr starke Rolle und jeder, der daran glauben will, dass die Dominanz des Marktführers weiter wachsen wird, wird sich wahrscheinlich nicht durch Argumente vom Gegenteil überzeugen lassen.

Der Krieg zwischen den kleinen und den großen Blöcken gilt als entschieden

Maximalismus ist entstanden, als der Gedanke, dass Bitcoin gewinnen würde, da es am meisten genutzt wird und am nützlichsten ist, gegen den fundamentalistischen Grundsatz ausgetauscht wurde, dass Bitcoin gewinnen wird, da es Bitcoin ist. Diese Wandlung wurde besonders durch den Kampf um die Frage der Skalierung befeuert. Soll Bitcoin als Blockchain skalieren oder soll es dies nicht tun? Die Abspaltung von Bitcoin Cash und der konstante Vergleich in der Marktkapitalisierung führte dazu, dass Bitcoin als klarer Sieger gesehen wurde, der zurückkehrt um seinen Thron zu besteigen. Da der Marktanteil von Bitcoin Cash gesunken ist, fanden in diesem Sinne die Stimmen gehören, die postulierten, dass Bitcoin Cash tot sei und Bitcoin gewonnen hätte.

Anwendungsfälle für Bitcoin verschwinden und zurück bleibt nur der Glaube an seinen Wert

Was bringt uns das empfundene Ende der Skalierungsdebatte, wenn Bitcoin weiterhin nicht im Alltag genutzt werden kann, sondern dazu herhalten muss, ein bloßer „Wertspeicher“ zu sein. Wie kann dieses Projekt langfristig seinen Wert erhalten? Wie kann man die Leute glauben machen, dass etwas einen Wert hätte, der keiner inhärenten Qualität oder externer Umstände entspricht? Vielleicht dadurch, dass man einen Kult darum herum aufrichtet?

Ein Unternehmen macht dann Profit, wenn es die Nachfrage seiner Kunden erkennt und erfüllt, wobei es flexibel auf eine Änderung der Nachfrage reagieren muss. Ein Investitionsobjekt zieht dann neue Investoren an, wenn es einen Grund dafür gibt, warum sich Menschen von ihrem Geld trennen sollten, um die Investition zu tätigen. Ohne Nutzen oder inhärenten Wert kann man nur dann neue Kunden gewinnen, wenn man sie mit etwas Erfundenem ködert und ihnen sagt, dass sie investieren sollen, weil sie investieren sollen.

Die Welt der Kryptowährungen war noch nie so vielfältig wie heute

Trotz dieser Negativität wächst die Krypto-Industrie kontinuierlich weiter. Jeden Tag werden neue Projekte, unabhängig von Bitcoin, gestartet. Die Transaktionen wachsen bei jeder Blockchain an. Die Technologie entwickelt sich überall weiter und der Respekt für die Branche als Ganzes nimmt zu.

In einem freien Markt kann Wettbewerb jederzeit dazu führen, dass ein Projekt scheitert, weil es die Nutzer nicht halten und keine neuen gewinnen kann. Das schlimmste ist es in dieser Situation, seine Konkurrenten zu verlachen und den Kopf in den Sand zu stecken. Doch genau dies machen all jene, die versuchen Dogmen in der Welt der Kryptowährungen einzuführen. Die Aggression, die wir heute sehen, könnte ein Zeichen dafür sein, dass das Projekt, das diese Aggression erzeugt, Anteile am Markt verlieren wird. Haben wir auch in Zukunft ein Auge darauf, wie sich dies entwickelt.