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Alle reden über Facebook und darüber, was seine Kryptowährung für den gesamten Sektor bedeuten könnte. Ist es ein weiteres gehyptes Projekt, das scheitern wird, oder ist es der Todesstoß der unabhängigen Krypto-Industrie? Ist es gut für die versprochene, mythische Massenakzeptanz oder ist es ein Druckmittel, das Krypto-Projekte zwingt, sich weniger selbstgenügsam zu geben?

Es gibt einen Grund, warum Kryptowährungen reibungslos funktionieren

Jahrelang wurde diskutiert, warum Kryptowährungen gut für die Cannabisindustrie, für Online-Glücksspiel und für viele andere Sachen ist, doch den führenden Akteuren fehlte es an der Fähigkeit dies zu artikulieren. Dabei ist die Antwort so einfach: Kryptowährungen können letztlich nicht reguliert und den Wünschen einer zentralisierten Autorität angepasst werden. Unternehmen und Regierungen unterliegen Vorschriften, die einen sehr teuren Rechtsrahmen voraussetzen. Hierdurch entstehen hohe Gebühren. Wenn eine Transaktion aber direkt und in Sekundenschnelle für den Bruchteil eines Cents um die Welt verschickt werden kann und zwar von Person zu Person, dann haben wir es hier definitiv mit einer effizienteren Technologie zu tun. Dies ist nur deshalb möglich, weil niemand irgendwen anderes um Erlaubnis bitten muss.

Trotz gegenteiliger Behauptung sind viele Projekte nicht dezentralisiert und zensurresistent

Die Idee, dass für dezentrale Kryptowährungen immer diese Vorteile gelten würden, ist weit verbreitet, doch nur in den wenigstens Fällen ist die Behauptung auch beweisbar. Manches Projekt wird von einem einzigen Unternehmen kontrolliert, während andere Projekte Zwischenlösungen gefunden haben, die so lange existieren müssen, bis das Projekt „bereit“ ist. Bei anderen ist das Mining sehr stark zentralisiert, wodurch die Kryptowährung zwar nicht per se kontrolliert ist, aber auch nicht mehr vollkommen als zensurresistent gelten kann. Bitcoin auf der anderen Seite ist zensurresistent, aber zum momentanen Zeitpunkt nicht wirklich alltagstauglich, wenn man nicht zugleich bereit ist einem Drittanbieter zu vertrauen.

Der ganzen Bereich profitiert noch immer von einem enormen Vertrauensvorschuss

Kryptowährungen sind noch immer stark von spekulativen Motiven abhängig, die auf dem Versprechen der Technologie basieren. Dabei werden auch Projekte als „Krypto“ durchgewunken, die nicht dezentral und zensurresistent sind, wodurch eine objektive Bewertung des Sektors verschleiert wird. Es gibt sehr viel Hoffnung bei den Nutzern der einzelnen Projekte, dass ihr Lieblingsprojekt den Durchbruch schaffen wird und eines Tages zensurresistente, schnelle und günstige Transaktionen ermöglichen wird. Diese Hoffnung verschleiert die Tatsache, dass manche Projekte bereits heute wesentlich besser als andere sind.

Ein institutioneller Konkurrent kann dezentrale Projekte dazu anhalten, wieder die Sinnfrage zu stellen

Die jüngsten Ereignisse scheinen ein Wachrütteln verursacht zu haben, da ein Projekt aufgetreten ist, das von den üblichen Verdächtigen der alten Zahlungsindustrie getragen wird, die dennoch den Begriff „Krypto“ beanspruchen wollen. Dies ist besonders gefährlich für jene Projekte, die bereits jetzt nicht anders funktionieren, als das zentralisierte Facebook-Projekt, da diese dem Netzwerkeffekt der alten Garde nichts entgegenzusetzen haben, während dezentrale Netzwerke auf ihre Eigenständigkeit verweisen können.

Doch auch Projekte, die nur eine schlechte Benutzererfahrung bieten können, können selbst dann im Wettbewerb gegen zentralisierte, aber benutzerfreundliche Konkurrenten verlieren, wenn sie ein Höchstmaß an Dezentralität aufweisen. Wie viele Nutzer werden letztlich wirklich ein Projekt verwenden, das einen Alptraum für den Alltag darstellt? Hier kann der Konkurrenzdruck von Seiten Facebooks durchaus hilfreich sein.