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Wenn es ein magisches Wort in der Kryptowelt gibt, dessen Aussprache jeden Menschen verzaubert, dann ist dies Dezentralisierung. Für jedes Projekt ist dieses Wort das größte Kompliment und sein Antonym „Zentralisierung“ die größte Beleidigung. Dezentralisierung klingt nach aufopferungsvollen Freiwilligen, die ihr ganzes Herzblut in ein Projekt stecken, die alle Konflikte freundschaftlich aus der Welt schaffen und zusammen am großen Ganzen arbeiten. Zentralisierung klingt auf der anderen Seite nach bösartigen Eliten, die über jeden Einzelnen Kontrolle ausüben.

Die Effektivität der Zentralisierung

Die Realität sieht natürlich ein wenig nuancierter aus. Je nach Situation können sowohl Zentralisierung als auch Dezentralisierung gut oder schlecht sein. Eine Familie hat notwendigerweise ein höheres Maß an Zentralisierung, da ein vierjähriges Kind nicht an allen Entscheidungen beteiligt werden kann. Ähnlich sieht es auch in vielen ehrenamtlichen Organisationen aus. Die Organisatoren einer Jugendliga brauchen die Eltern der Spieler nicht in jede einzelne Entscheidung zu involvieren. Normalerweise wird lediglich eine Gruppe von Eltern gewählt, denen dann die Entscheidungsfindung auferlegt ist.

In der Wirtschaft kann Zentralisierung ebenfalls viele Vorteile mit sich bringen. Kein Unternehmen befragt alle Mitarbeiter, wenn es sich vor ein Problem gestellt sieht. Den meisten Mitarbeitern fehlt es alleine schon an der Qualifikation, die zum Ratgeben nötig ist. Daher liegen die Entscheidungen letztlich beim CEO und er trägt für diese auch die letztendliche Verantwortung.

Die Gefahren der Zentralisierung

Auch wenn Zentralisierung in all diesen Fällen etwas Positives ist, gibt es doch auch Gegenbeispiele. Wenn man den Bereich kleinerer Organisationsformen wie Familien, Vereine und sogar Unternehmen verlässt und auf den Staat schaut, dann sieht man, dass dort die Nachteile der Zentralisierung offen zutage liegen. Eine kleine Gruppe herrscht über die gesamte Bevölkerung und hat dazu höchstens den Konsens der Mehrheit, niemals aber den der Gesamtheit. Die Herrscher treffen die wichtigsten Entscheidungen und haben die größte Macht auf sich vereint. In solchen Situationen sind Korruption und Amtsmissbrauch an der Tagesordnung. Am deutlichsten sehen wir dies im Bereich des Geldes, da hier die geringste Zahl an Menschen die volle Kontrolle innehat.

Dezentralisierung und Zentralisierung zusammendenken

Was haben diese Überlegungen mit Kryptowährungen und Dash zu tun? Ich wollte vor allem daran erinnern, dass Dezentralisierung, auch wenn sie viele Probleme lösen kann, kein Allheilmittel ist. Durch die Masternodes und das Dash Budget ist das Dash Netzwerk so dezentralisiert, wie es sein sollte. Die wichtigsten Fragen zur Zukunft von Dash werden zur Wahl gestellt und die Investoren stimmen darüber ab. Doch trotzdem gibt es auch im Dash Ökosystem zentralisierte Gruppen.

So sind etwa die einzelnen Entwicklerteams von Dash Core zentralisiert. Ein Front-End Entwickler hat keinen Einfluss auf Marketingstrategien und kein PR-Vertreter pfuscht im Code herum. Jedes Team hat seinen Aufgabenbereich und seine Arbeitsweise. Jedes Team hat einen Chef, der die wichtigsten Entscheidungen trifft. Hierin gleicht Dash Core vielen anderen Unternehmen.

Andere Dash Organisationen sind ähnlich zentralisiert aufgebaut, so auch Dash Force News. Die Community stimmt nicht darüber ab, was für Artikel geschrieben werden sollen. Eine kleine Gruppe trifft diese Entscheidung und die große Gruppe der Masternodes stimmt letztgültig darüber ab ob diese Gruppe überhaupt durch das Dash Budget finanziert werden soll.

Auf diese Weise sehen wir an Dash wie Dezentralisierung und Zentralisierung zusammen gedacht werden können, wobei die Gewalten teilende Natur der Dezentralisierung und die Effizienz der Zentralisierung aufeinandertreffen.

Ein Schreckgespenst herbeiphantasieren

In der Kryptowelt ist es tödlich, wenn etwas zentralisiert genannt wird. Die Konzepte von Dezentralisierung und Zentralisierung sind allerdings viel komplexer als viele Kryptowährungsanhänger auf den ersten Blick annehmen. Auch wenn es bestimmte Sachen gibt, die niemals zentralisiert werden sollten, wie etwa die allgemeine Richtung eines Projektes und dessen Kontrollierbarkeit, so gibt es doch Zeiten, zu denen eine gewisse Form der Zentralisierung angebracht ist. Wir sollten nicht versuchen ein Schreckgespenst dort herbeizuphantasieren, wo keines existiert.