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Seit Monaten schwebt der 1. August wie ein Damoklesschwert über der Bitcoin Welt. Es ist wie eine Krypto-Version des Millenium-Bugs: Wird Bitcoin forken? Wenn ja, in wieviele Blockchains? Welche Kette(n) überlebt? Wird Bitcoin selbst überhaupt das ganze Chaos und Durcheinander überstehen?

Als das Segwit2x Agreement kürzlich aktiviert wurde, machte sich große Erleichterung breit und Beobachter hoffen, dass die Krise überstanden…oder zumindest verschoben ist. Es gibt aber eine unter den potentiellen Fork Fraktionen—Bitcoin Cash—die angekündigt hat, dass sie sich zum 01.08. abspalten wird, ob Segwit2x nun kommt oder nicht.

Was ist Bitcoin Cash? Wie unterscheidet es sich von Bitcoin und – natürlich – wie funktioniert es im Vergleich zu Dash?

(Anmerkung: im Rahmen dieses Artikels wird die neue Fork/Abspaltung als “Bitcoin Cash” bezeichnet. Das soll dem einfacheren Verständnis dienen und impliziert keinen Wertung für oder gegen die eine oder die andere Chain, noch schließt es die Möglichkeit aus, dass die Blockchain namens “Bitcoin Cash” irgendwann einfach als “Bitcoin” bekannt sein wird.)

Bitcoin Cash: Der New Coin on the Block(chain)

Das wichtigste was man über Bitcoin Cash wissen muss ist, dass es eine sogenannte “Hard Fork” von Bitcoin darstellt, aber mit derselben Blockchain beginnt. Viele Altcoins, wie z.B. auch Dash, sind Forks von Bitcoin, aber sie beginnen mit ihrer eigenen Blockchain, die völlig unabhängig von der Bitcoin Blockchain ist. Daher müssen diejenigen, die einen dieser Altcoins besitzen wollen, sie entweder auf eben dieser Chain minen oder kaufen. Bitcoin Cash ist anders. Wenn jemand Bitcoin auf der Bitcoin Hauptchain besitzt (und nicht vergessen, wenn man die Private Keys nicht hat, ist man technisch gesehen nicht der Eigentümer der Coins), dann wird er die selbe Anzahl an neuen Bitcoin Cash besitzen, wenn der Coin startet.

Beispiel: Sarah hat am 31. Juli 10 Bitcoin. Wenn Bitcoin Cash am 1. August startet, wird sie 10 Bitcoin und 10 Bitcoin Cash besitzen (Hinweis: inwiefern sie die dann ausgeben kann, wird vom Wallet abhängen). Bitcoin Cash Futures werden bereits zu rund $500/pro coin, gehandelt, es könnte also eine schönes Geschenk für Bitcoin Hodler werden.

Anfangs wird Bitcoin Cash fast identisch mit Bitcoin sein, mit nur wenigen wichtigen Unterschieden. Bitcoin Cash startet zunächst mit einer 8MB Blockgröße, also 8x soviel wie die derzeitige Bitcoin Blocksize. Das Segwit2x Agreement enthält auch eine Verdoppelung auf 2MB in drei Monaten auf der Bitcoin Hauptchain, aber viele Beobachter bezweifeln derzeit noch, dass das wirklich umgesetzt wird.

Ein weiterer Hauptunterschied ist, dass Bitcoin Cash weder Segwit noch Replace-By-Fee auf seiner Kette implementieren wird. Sowohl Segwit als auch RBF sind in der Bitcoin Community umstritten und Bitcoin Cash richtet sich an diejenigen, die der Meinungen sind, dass diese beide Ansätze Verschlimmbesserungen darstellen und Bitcoin daran hindern wie ursprünglich gedacht ein “Peer-to-Peer Electronic Cash System” zu werden. Bitcoin Cash wird ferner Schutzmechanismen einbauen, die Konflikte zwischen beiden Chains verhindern sollen, so dass keine Guthaben von einer rivalisierenden Chain gestohlen oder gelöscht werden können.

Bitcoin Cash vs. Dash

Es gibt für Dash Freunde viele gute Gründe die Ankunft von Bitcoin Cash im Ökosystem der Kryptowährungen zu begrüßen. Bitcoin Cash wird genau wie Dash anstreben, Satoshis ursprüngliche Vision von Bitcoin als Peer-to-Peer Electronic Cash zu realisieren. Sowohl Dash User als auch Befürworter von Bitcoin Cash erkennen, dass grössere Blöcke notwendig sind, um im Wettbewerb mit dem existierenden Finanzsystem bestehen zu können und tausende Transaktionen die Sekunde anbieten zu können, was die Kapazitäten einer Kryptowährung mit 1 MB Blöcken definitiv übersteigt.

Befürworter von Bitcoin Cash stehen, ebenso wie die Mehrheit der Dash Community,  “Software Hacks” wie SegWit als Skalierungsoption skeptisch gegenüber. Segwit mag zwar viele Verbesserungen bringen, aber es ist keine langfristige Lösung, mit der man ein globales Peer-to-Peer-Zahlungssystem aufbauen kann.

Sehen wir uns die Unterschiede zwischen Bitcoin Cash und Dash einmal genauer an.

Blockgröße

Wenn Bitcoin Cash am 1. August aktiviert wird, wird es 8MB Blöcke unterstützen. Dash nutzt weiterhin 1MB Blöcke, hat aber bereits beschlossen die Blockgröße bis zum Jahresende 2017 zu verdoppeln und die Roadmap enthält Pläne die Blocksize auf satte 400MB zu erhöhen. Da Bitcoin Cash von “Big-Blockern” gegründet wurde, werden sie wahrscheinlich auch irgendwann über 8MB hinausgehen.

2-Stufiges Netzwerk

Die Erfinder von Bitcoin Cash glauben zwar an die On-Chain Skalierung, aber wie sehr kann es in der Praxis skalieren? Die dafür benötigte Hardware ist dabei ein zentrales Problem. Bitcoin Cash hat, zumindest am Anfang, genau dieselbe Grundstruktur wie Bitcoin, was bedeutet, dass Bitcoin Cash wie Bitcoin darauf baut, dass viele Freiwillige Netzwerk Nodes operieren. Eine solche Freiwilligen-Struktur kann nur ein bestimmtes Maß an Traffic handhaben, bevor es überwältigt wird.

Dash hingegen hat sein 2-stufiges Masternode-Netzwerk, das durch seine interne Anreizstrukur eine exponentielle Ausweitung der Hardware-Anforderungen  und damit viel größere Blöcke ermöglicht.

Governance-Struktur

Der interne Konflikt um die Skalierbarkeit von Bitcoin schwelt seit Jahren ohne Lösung dahin und eskaliert immer wieder, so wie jetzt. Der tieferlegende Grund für die langen komplizierten Streitereien ist das Fehlen einer klaren Governance Struktur. Es ist in der Bitcoin Community sehr schwer – oftmals sogar ganz unmöglich- Streitigkeiten beizulegen und gemeinsamen Lösungen zu finden. Bitcoin Cash wird dasselbe Problem bekommen. Vielleicht bricht in ein paar Jahren ein neuer Konflikt rund um Bitcoin aus – wie wird Bitcoin Cash ihn lösen? Möglicherweise findet sich Bitcoin Cash irgendwann in derselben Situation, der es eigentlich entkommen wollte.

Dash hat ein eingebautes Governance System: durch die Abstimmungen der Masternodes können Konflikte einfacher beigelegt werden und das Projekt kann wieder vorangebracht werden. Das schließt zwar eine Aufspaltung der Community nicht kategorisch aus, aber es macht sie deutlich weniger wahrscheinlich.

User Experience

Seit seiner Erfindung war Bitcoin auf die Entwicklungen von Drittanbietern angewiesen, um eine einfache und intuitive Bedienbarkeit für die User zu ermöglichen. All diejenigen, die Bitcoin schon länger verfolgen, wissen, dass die Erfolge diesbezüglich eher bescheiden sind. Die Benutzung von Bitcoin ist für den normalen weniger tech-affinen Durchschnittsuser  immer noch unglaublich kompliziert. Bitcoin Cash wird dasselbe Problem haben.

Dash hingegen entwickelt Evolution das die Nutzung von Kryptowährungen so einfach wie Paypal machen wird und dabei Dashs dezentrale Peer-to-Peer-Struktur beibehalten wird.  Ein echtes dezentrales elektronisches Bargeldsystem muss so einfach und bedienerfreundlich wie nur irgendmöglich sein und Usability wird eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Mass Adoption von Kryptowährungen spielen.

Der Kampf um Satoshi’s Vision

Als Bitcoin erfunden wurde, wurde es als peer-to-peer electronic cash system angepriesen. Seither hat sich Bitcoin nach und nach immer mehr in Richtung Wertaufbewahrungmittel entwickelt und weg vom digitalen Bargeld. Ob das nun gut oder schlecht ist, soll der Markt entscheiden. Eines aber ist sicher: es besteht weiterhin eine riesige Nachfrage an einem elektronischen Bargeld-System wie es Satoshi es sich ursprünglich vorgestellt hat. Bislang war Dash die einzige wichtige Kryptowährung, die dieses Ziel anstrebt. Mit Bitcoin Cash betritt ein weiterer Player die Bühne und der Markt wird entscheiden, welche Lösung die beste ist, um die Revolution zu verwirklichen, die Satoshi vorschwebte.