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Wallets für Kryptowährungen scheinen für die meisten Menschen keinen Sinn zu ergeben

Sie funktionieren theoretisch so wie andere Zahlungsanwendungen: Mit ihnen können sie ihren Freunden und Verwandten Geld senden. Mit anderen Anwendungen kann man hingegen auch Waren und Dienstleistungen bezahlen, da diese von Händlern akzeptiert werden. Doch wie viele Einzelhändler akzeptieren Kryptowährungen? Wie viele Online-Shops akzeptieren sie? Wie viele Freunde schicken sich untereinander Kryptowährungen? Wie viele Arbeitgeber bezahlen ihren Angestellten Kryptowährungen?

Die meisten Nutzer machen sich mit ihrer ersten Kryptowährung vertraut indem sie eine Wallet herunterladen und darauf ein paar Coins empfangen. Danach hört für die meisten Nutzer jedoch das Erlebnis bereits auf, da sie nicht wissen was sie mit diesen Coins machen können und wo sie nach Informationen suchen können.

Die Integration in große Plattformen schafft erste Anlaufstellen für neue Nutzer

Kryptowährungen gewinnen dann an Bedeutung, wenn es möglichst einfach ist, sie mit einer Fiatwährung zu kaufen, wodurch Nutzer ihre Coins nicht mehr nur halten müssen, sondern auch verkaufen können. Auch wenn derartige Plattformen eine wichtige Rolle spielen, so zeigt sich doch, dass sie nicht ausreichen, um eine große Zahl an Akzeptanzstellen von Kryptowährungen zu überzeugen. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg einer derartigen Plattform beim Durchschnittsnutzer ist der Preis, den die Umwandlung kostet, wobei die Geschwindigkeit und die Benutzerfreundlichkeit ebenfalls eine Rolle spielen können.

Wenn man sich nun „All-in-One“ Wallets anschaut, die eine Debitkarte, Auszahlungsoptionen, Stablecoins, etc. in einer Plattform vereinen, so ist deren Zweck die Verwendung von Kryptowährungen so einfach wie möglich zu gestalten. Hierdurch können Menschen, die keinen Zugang zum traditionellen Finanzsystem haben, alle Leistungen, die dieses anbietet, in Anspruch nehmen. Gleichzeitig können die Nutzer im Hintergrund aber eine zensurresistente und digitale Währung verwenden, wodurch Menschen zu Kryptonutzern werden, die von der normalen Oberfläche einer Wallet überfordert werden.

„All-in-One“ als Stützräder, die mit der Zeit überflüssig werden

Bei Produkten dieser Art kann einem die Wendung in den Sinn kommen, dass es keine gute Werbung für ein Produkt ist, wenn dessen Vertreter versuchen den Kunden so weit wie möglich von diesem Produkt weg zu führen. Eine Wallet, die dadurch punktet, dass sie Fiatwährungen bewegt, lenkt die Aufmerksamkeit von dem wirklichen Nutzen der Kryptowährungen ab. Kryptowährungen sollten so oft wie möglich direkt verwendet werden, bevor jemand sich dazu gezwungen sieht, dass er sie in Fiatgeld umwandeln muss. Wenn dies nicht der Fall ist, verlieren sie ihren Anreiz, was die niedrigen Gebühren angeht, die notwendig sind, um eine Kryptowährung zu bewegen, da die Umwandlung wesentlich teurer ist. Besser ist es, jemandem davon zu überzeugen, dass er sich direkt etwas mit der Kryptowährung kauft, selbst wenn er kein Interesse hat sie zur späteren Verwendung aufzubewahren.

Und noch ein anderer Punkt: Je komplexer eine Wallet wird, damit sie für den Benutzer attraktiv ist, desto eher kann es auch sein, dass er von dieser überfordert wird. Jemand, der die Möglichkeit hat Krypto gegen Krypto, gegen Fiat, gegen Stablecoins, etc. zu tauschen und diese dann per Überweisung, per Debitkarte, etc. auszahlen zu lassen, der wird mit sehr vielen dieser Funktionen nichts anfangen können. Hierdurch wird das überschattet, was Kernstück der Wallet sein sollte: die neue Währung. Zwischen zu vielen und zu wenigen Funktionen muss es also ein Gleichgewicht geben, das Rücksicht auf die Bedürfnisse des Endnutzers nimmt. In einer Welt in der noch niemand Kryptowährungen akzeptiert brauch es dabei mehr Funktionen als in einer Welt, in der diese neue Form des Geldes bereits Fuß gefasst hat.

Das Ziel: eine Wallet, die ausreicht

Letztlich sollen Kryptowährungen eine neue Form des Geldes sein. Daher ist eine sehr simple Wallet ausreichend, mit der man Geld senden und empfangen kann, das überall funktioniert. Konversionen, Stablecoins, usw. sind in dieser Welt nicht mehr von Bedeutung. Daher ist es das ultimative Ziel, auf das jeder Zwischenschritt hingerichtet sein sollte, da „All-in-One“ Wallets nur ein temporäres Phänomen sind. Je schneller wir sie obsolet machen können, desto schneller können wir die Menschen von den letzten Fesseln befreien, die sie noch an das alte Finanzsystem binden.